Nachhaltige Nahwärme dank Holzhackschnitzel

Mit dem Kauf eines Grundstückes in der Eifelgemeinde Nettersheim ging die Verpflichtung einher sich das das örtliche Nahwärmenetz anzuschließen. Typischerweise wird heute bei Neubauten mit Gas, Luft-/ Wärmepumpe oder Geothermie geheizt. Strom als Energieträger ist m.W.n. heute eher selten geworden – zumindest beu Neubauten. Wobei der Hauptkostenpunkt bei der Luft-/ Wärmepumpe defintiv der Stromverbrauch ist. Hier verweise ich auf einen Thread unter fingerhaus-forum.de, der sich seit einigen Jahren einzig und allein damit beschäftigt derartige Anlagen zu optimieren.

Bild von Werner Weisser auf Pixabay 

Biowärme Nettersheim

Seit Anfang 2000 wird in Nettersheim eine Hackschnitzelanlage betrieben. Im Jahre 2005 wurde die Anlage handelt es sich dabei um einen Eigenbetrieb der Eifelgemeinde Nettersheim. Um die Anlage herum, ca. 5 Kilometer, werden die  Baugebiet G14, d.h. Zur Klosterquelle, Hasenweg, In den sechs Morgen, Feldlerchenweg, Auf Graben, Auf Graben II, Zur Brotkiste, Fossilienweg, und Auf Boesten, sowie einige kommunale Gebäude mit Fernwärme versorgt.

Die Anlage verfeuert naturbelassene Holzhackschnitzel. Das dafür verwendete Holz stammt dabei weitesgehend aus der Forst- und Landschaftspflege. Teilweise kommt auch unbehandeltes Altholz zum Einsatz. Der Primärenergiefaktor liegt bei 0,43. Zum Vergleich: Gas, Kohle und Strom liegen deutlich über 1.

Die Technik

Aber wie ist das nun konkret gelöst? Hier ein Bild unserer Heizungsanlage.

(1) ist die eigentliche Nahwärmeübergabestation. Diese wird von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Man bezahlt jährlich eine Gebühr für den Betrieb und die Unterhaltung. Diese Gebühr beträgt derzeit rund 200 € (Stand Mai 2021). (2) ist der Warmwasserspeicher. Dieser beträgt bei uns ca. 200l. Wir hoffen, dass das für eine fünfköpfige Familie mit drei Kindern reicht. Wir werden sehen. 😀 (3) ist die hier ziemlich sinnvolle Weichwasseranlage. Wir haben hier unglaublich hartes Wasser und ohne die Anlage hätten müssten wir extrem viel putzen… das möchten wir vermeiden. Bekannte aus unserem Baugebiet die ohne Anlage gebaut haben, haben diese mittlerweile nachgerüstet. Also klare Empfehung wenn ihr Auf Graben, Auf Graben II, Zur Brotkiste oder Im Boesten baut – Weichwasseranlage einplanen. 😉

Die beiden gut gedämmten Rohre hinter dem roten Ausgleichsbehälter sind der Vor- und der Rücklauf der Nahwärme. Das Wasser kommt mit ca. 72°C im Vorlauf an (Vorlauftemperatur) (4). Indirekt wird die Wärme in der Übergabestation „übergeben“. Das Wasser verliert an Temperatur und die Rücklauftemperatur liegt logischerweise unter der Vorlauftemperatur. Die Differenz ist dann die „entnommene“ wärme und liegt derzeit, im noch leeren Haus, bei so 0,7 kW. (5) ist dann der Rücklauf. Der graue Kasten oberhalb der (5) ist der Wärmemengenzähler. Den muss ich noch versuchen abzugreifen, damit ich mir die Daten auslesen und speichern kann. 🙂 An der (6) sind die Abgänge zu Fußbodenheizung und zum Warmwasserspeicher zu erkennen. Die Vorlauftemperatur für die Fußbodenheizung und den Warmwasserspeicher muss noch angepasst werden. Ganz oben rechts in der Ecke ist die eigentliche Steuerung. Hier können die Temperatur für die Räume, die Warmwassertemperatur, die Außentemperatur, bei der abgeschaltet werden soll, Nachtabsenkung usw. konfiguriert werden.

Die Kosten

Die einmaligen Kosten belaufen sich auf den Kostenersatz der Gemeinde. Die Übergabestation ist nicht zu bezahlen, aber der Hausanschluss an sich. Und hier ist es ein wenig von den örtlichen Gegebenheiten abhängig. Bei uns war der Hausanschluss wegen der Rohrlängen und der Position anspruchsvoll. DIe Kosten belaufen sich auf ca. 4800 €, wobei die Kosten für den Tiefbau ca. ein Drittel ausmachen.

Jährlich fallen an: Die ca. 200 € Bereitstellungsgebühr für die Übergabestation, dazu kommen für den Bereich 0 bis 30 kW eine Grundgebühr von ca. 61 € pro kW. Die Mindestgebühr sind dabei 10 kW, also ca. 610 € pro Jahr an Grundgebühr. Der Wärmeverbrauch liegt bei ca. 78 € pro MWh. Zur Erinnerung: Aktuell verbrauchen wir ca. 17 kW am Tag. Aber derzeit ist da noch nichts weiter optimiert oder eingestellt. Als Erfahrungswert sollte man von ca. 7 MWh pro Jahr pro Haus ausgehen.

Rechnet man alles zusammen, dann landet man bei ca. 1.350 € pro Jahr für Heizung und warmes Wasser. Das ist auch die Summe von der wir derzeit ausgehen. Zum Vergleich: Die Kosten für Warmwasser und Heizung beliefen sich in unserer Eigentumswohnung (ETW) auf ca. 560 € (noch vier Personen, knapp 90qm). Hier kommt Geothermie zum Einsatz, wobei die Stromkosten für die Wärmepumpe der Kostentreiber sind (keine PV-Anlage auf dem Dach. :/). Unsere ETW wurde 2010 nach KFW55 gebaut.

Wir sind sehr gespannt wie sich die Kosten entwickeln werden. 😀

Ein gutes Gefühl

Insgesamt haben wir ein gutes Gefühl bei der Nahwärmenutzung. Klar, mit viel PV auf dem Dach wäre eine Luftwärmezentrale, also eine Luft-/ Wärmepumpe, mit hoher Wahrscheinlichkeit billiger gewesen. Aber die konnten wir hier nicht zum Einsatz bringen. Hat uns beim Bau auch ca. 11.000 € gespart, da FingerHaus diese aus dem Werkvertrag streichen konnte. Die Anlage wäre, wenn sie zum Einsatz gekommen wäre, wahrscheinlich eine Stiebel Eltron LWZ 5 S geworden.

Der Vollständigkeit halber noch der Link zur Gebührensatzung für die Versorgung mit Fernwärme in der Gemeinde Nettersheim auf der Grundlage von Biomasse-Brennstoffen (Holzhackschnitzel), und der Link zur Biowärme Nettersheim.