Raus aus der Stadt

Wir haben 2010 sehr zentraumsnah in Leverkusen gebaut. Wir waren 10 Jahre jünger, keine Kinder, beide Berufstätig, wir hatten keinen grünen Daumen und daher war eine Eigentumswohnung für uns ideal. Warum also raus auf’s Land?

Bild von Kim Bruhn auf Pixabay

Auch viele Jahre später haben wir die kurzen Wege zur Fußgängerzone unseres Ortsteils sehr genossen. Kindergarten, Schule, Kirche, Ärzte, Fitness-Studio, Eisdiele – alles fußläufig erreichbar. Insbesondere die kurzen Wege zu Kita und Schule waren unglaublich hilfreich. Beides war keine 500m weit entfernt.

Wir hatten beim Kauf der Eigentumswohnung Wert auf zwei Garagen gelegt – wir hatten ja damals auch zwei Autos. Renis Auto haben wir recht schnell verkauft, nachdem sie auch noch ihre Arbeitsstelle hier im Ort hatte und sie zu Fuß erreichen konnte.

Warum gibt man sowas auf? Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen nur einmal zu kaufen und nie wieder umzuziehen.

Platz

Wir haben das mit dem Platz unterschätzt. 4 Zimmer und 90qm sind nicht klein – aber für eine Familie mit zwei Kindern auch nicht groß. Okay, für einige Menschen sicherlich ein Luxusproblem. Das Haus meiner Eltern hatte auch nicht mehr Quadratmeter, Reni hatte sogar zwei Geschwister und eine alleinerziehende Mutter.

Inbesondere der erneute Arbeitsplatzwechsel von Reni hat dazu geführt, dass uns ein Arbeitszimmer fehlt. Momentan hat sie noch eine kleine Arbeitsecke im Schlafzimmer, aber das ist nicht ausreichend. Bei 100% Homeoffice muss ein Arbeitszimmer her welches den ergonomischen Anforderungen an einen Heimarbeitsplatz genügt.

Die Rückzugsmöglichkeiten, die es in der Wohnung für keinen von uns gibt, sind ein zusätzliches Argument für ein Haus. Da ist die Fläche einfach größer und man kann sich aus dem Weg gehen und mal in Ruhe ein Buch lesen, nähen, arbeiten, während die Kinder in der ersten Etage oder draußen toben. Die Kinder werden älter und brauchen nicht mehr direkt einen Erwachsenen nebenan, sondern es reicht ihnen, wenn sie wissen, wo sie sich finden.

Garten

Wir beide haben ganz sicher keinen grünen Daumen. Aber ein paar Blumenbeete und ein paar Quadratmeter Rasenfläche werden wir hinbekommen. Ein Garten würde auch unseren beiden Mädels gefallen. Mehr Platz zum Spielen, Rasen statt Betonpflaster auf den Garagenhof. Als DINK (Double Income, No Kids) mag das egal sein, aber diese Sichtweise hat sich bei uns definitiv geändert.

Sicherheit

Das Haus, in dem unsere Eigentumswohnung ist, steht direkt an der Hauptstraße. Also raus aus dem Haus und viel befahrene Straße. Unsere Kinder passen zwar gut auf, aber bekanntlich reicht das ja nicht. Die Nachbarn brettern einfach mal ohne zu gucken über den Bürgersteig zu ihrem Parkplatz. Horrorvorstellung, wenn gerade in dem Moment das Kind rausläuft. Das wird im Neubaugebiet sicherlich anders, da es eben keine Hauptstraße mehr ist und da vermutlich vorrangig Familien hinziehen, die dann hoffentlich gegenseitig Rücksicht nehmen.

Lärm

Schlebusch ist laut geworden. Der Verkehr hat zugenommen. Es ist hektischer geworden. Wir genießen den Sommerurlaub an der See auf dem Land und genießen die Ruhe. Auch beim Besuch der Schwiegermutter im Hochsauerland fällt uns die Ruhe auf.

Verkehr

Mein Arbeitgeber sitzt im Kölner Westen. Ich muss also jeden Tag von Leverkusen in den Kölner Westen. Die volle Breitseite Berufsverkehr über A3, Kreuz Leverkusen, Rheinbrücke Leverkusen, Kreuz Köln Nord. Plus den Verkehr ZUR Autobahn hin. Ich nehme diesen Weg seit 15 Jahren auf mich und es nervt mich einfach immer mehr. Inbesondere der Ausblick auf weitere 15 Jahre Baustelle im Bereich A1 Leverkusen lässt mich nach Alternativen suchen. Zukünftig fahre ich 25km mehr – brauche aber die gleiche Zeit.

Aber deswegen Umziehen?

Einige der genannten Punkte hätten wir in Leverkusen realisieren können. Es gibt hier wunderschöne Ecken, z.B. in Richtung Leimbacher Berg oder Waldsiedlung. Die sind aber schlicht UN-BE-ZAHLBAR. Quadratmeterpreise von 250 bis 600 € sind hier an der Tagesordnung. Da bleibt kein Geld mehr für ein Haus. In der Eifel zahlt man zwischen 50 € (Blankenheim, Dahlem) und knapp 80 € (Nettersheim) pro Quadratmeter. Direkt von der Gemeinde, ohne Bauträger oder Händler dazwischen.

Wir haben lange nach einem Grundstück oder einer Bestandsimmobilie in Leverkusen gesucht. Da werden selbst Bruchbuden zu unfassbaren Preisen verkauft. Wir haben das dann aufgegeben. Mein Chef hat mir schon vor zwei Jahren erzählt, dass es in der Eifel günstige Grundstücke gibt. Da habe ich das noch abgetan, mich aber jetzt daran erinnert. Ich habe mir die Preise angesehen und von da an war das Thema wieder aktuell.

Es ist ein Abwägen.

  • Reni macht Homeoffice. Wo ist ihr egal
  • Ich arbeite in Köln. Pendelstrecke ist weiter, aber die Fahrzeit ist gleich oder kürzer
  • Zudem habe ich den Luxus einen Firmenwagens
  • Kind 2 könnte direkt in der neuen Gemeinde eingeschult werden, für Kind 1 wäre zwar ein Schulwechsel angesagt, aber immernoch ein denkbar günstiger Zeitpunkt und entsprechend Vorlauf, um sich an den Gedanken, die Umgebung und Kinder aus der Nachbarschaft zu gewöhnen
  • Wir brauchen wieder ein zweites Auto
  • Wir werden für unsere Wohnung einen guten Preis erzielen

Um ehrlich zu sein haben wir gar nicht lange überlegt. Jetzt oder nie. Und dann haben wir losgelegt.