Cäsh in de Täsch

Erklärt uns doch mal für verrückt…

Nein, ernsthaft, wir wohnen jetzt seit über einem Jahr mietfrei in einer Wohnung, die vorher mal uns gehörte. Fake? Nein, gar nicht.

Wir haben uns entschieden, ein Grundstück zu reservieren, ein Haus zu bauen und unser Zuhause schon vorher zu verkaufen, um entsprechendes Eigenkapital nachzuweisen. Die Gelegenheit war günstig, weil der Immobilienmarkt boomt und die Nachfrage größer ist als das Angebot. So haben wir also die Wohnung schätzen lassen und haben diesen als Verkaufspreis angesetzt. 4 Zimmer-Wohnung zentral in Schlebusch, barrierearm – da rannten sie uns die Bude ein, schon ohne Maklervertrag. Ohne Witz… ich habe hier an einem Freitag und Samstag 10 Personen durchgeführt. Wie schön das noch möglich war ohne Masken und Abstand! Am Nachmittag hab ich dann den Maklervertrag unterschrieben, aber er hatte sage und schreibe keinen einzigen Termin, weil der erste Interessent, der durchgeführt wurde, die Wohnung genommen hat.

Zugegeben, etwas riskant, aber für uns genau richtig. Wir haben beim Notar unterschrieben, bevor wir was Neues hatten. Einfach mal Nägel mit Köpfen machen, weil die Finanzierung der Eigentumswohnung auslief und die Vorfälligkeitsentschädigung dann entsprechend geringer ausfiel. Und man bekommt bekanntlich leichter Geld von der Bank, wenn man eine entsprechende Summe als Eigenkapital vorweisen kann. Aber unter der Brücke sollte jedenfalls nicht unsere neue Anschrift lauten, deshalb brauchten wir natürlich noch ein entsprechendes Wohnrecht, damit wir dann nicht wegen Eigenbedarf rausfliegen können.

Dafür war der Makler unseres Vertrauens Gold wert. Er hat uns einen entsprechenden Vertrag vom Notar entwerfen lassen mit Wohnrecht von etwa 18 Monaten (in der Zeit sollte ja wohl ein Grundstück und ein Haus zu bekommen sein, in das man dann termingerecht einziehen kann) kostenlos, also die Nutzungsgebühr in Höhe der monatlichen Miete wurde wohlwollend im Kaufvertrag berücksichtigt und die Summe entsprechend niedriger veranschlagt.

Wichtig war uns für die Finanzierung, dass wir nur das reine Haus ohne Nebenkosten finanzieren und alle zusätzlichen Leistungen wie Garten, Erdarbeiten, Möbel, Küche sowie Erwerbsnebenkosten aus unserer Tasche zahlen können und das nicht über die Bank finanzieren. Wir wollen uns das schließlich auch leisten können und nicht über unsere Verhältnisse bis über das Lebensende hinaus Schulden zahlen. Und wann das zu Ende ist, weiß man ja nie so genau – spätestens zur Rente müssen wir also in einer bezahlten Immobilie wohnen, um der Altersarmut vorzubeugen. Ich bin ja in erster Linie Mutter und bekomme bekanntlich keine Rente 😀

Wir haben also unser Hab und Gut beim Notar in vollem Besitz unser geistigen Kräfte verscheuert. 2 Töchter turnten währenddessen mit im Raum herum und haben so zum ersten Mal erlebt, wie ein Notarvertrag abläuft. Laaaangweilig, war die Aussage! Ok, stimmt. Aber für uns war es spektakulär, als dann die Summe auf unserem Konto einging, die über die offene Summe der aktuellen Finanzierung hinaus ging. Eine 6-stellige Summe hat man nicht jederzeit auf dem Konto liegen. Und das blieb dann noch etwa 18 Monate da liegen und kassiert (keine) Zinsen, aber haben ist schon auch was Schönes.

Auszug aus dem Entwurf unseres Notarvertrages – Copyright.
Auszug aus dem Entwurf des Notarvertrages – Copyright.

Kurze Zeit später haben wir dann ein Grundstück davon bezahlt, einfach mal so aus der Täsch überwiesen, ohne Grundschuld, ohne Eintragung ins Grundbuch, einfach nur wir als Eigentümer! Cooles Gefühl, ein Stück Land in der Eifel zu besitzen. Der Hausvertrag war schon unterzeichnet und wir bekamen es mit der Angst zu tun. Vielleicht doch eine Option „Unter der Brücke“, denn das Haus braucht seine 21 Monate, also nicht 18 wie wir als maximale Zeit angenommen haben. Mit 2 Kindern bzw. wie sich nachher herausstellte, auch noch mit einem Baby, unter der Brücke zu wohnen, klingt nicht sehr lukrativ.

Zum Glück haben sehr nette Menschen unsere Wohnung gekauft, die sich bereit erklärten, erst dann zu kündigen, wenn wir wissen, wann wir einziehen können. Sie haben nur 3 Monate Kündigungsfrist. Da allerdings unsere Kinder schon in die Schule gehen am neuen Wohnort ist diese Option nicht sehr angenehm, denn täglich 160 km ist auch nicht so angenehm mit Baby und 2 kleinen Zicken. Also hatten wir uns noch um eine weitere Alternative gekümmert, nämlich eine Ferien- bzw. Mietwohnung zu reservieren und die Möbel, die wir mitnehmen, einzulagern. Alles nicht so toll aber besser als unter der Brücke.

All diese Optionen werden aber offensichtlich nicht benötigt, da Option 4 – wir sind einfach von der schnellen Sorte – zum Tragen kommt und wir ohne Optionen taggenau pünktlich einziehen können. Danke an alle Beteiligten, die uns die Baugenehmigung schnell erteilt haben, die Finanzierung schnell bestätigt haben, die Bemusterung an einem Tag durchgeführt haben, und und und….

Weder unter der Brücke noch mittellos müssen wir in die Brotkiste einziehen, denn das Baukindergeld können wir nach Ummeldung auch noch beantragen, aber dazu mehr in einem anderen Beitrag. Es ist ja schließlich unser einziges Eigentum.

Der Artikel ist nur eine Erfahrung, die wir gerne teilen möchten und ersetzt weder die Rechtsberatung noch den Makler sowie Notar, denn Grundstücks- und Immobiliengeschäfte sind bekanntermaßen nur über einen Notar abzuwickeln, damit auch alles seine Richtigkeit hat.